Für die nächste langfristige Forschungsmission zur Internationalen Raumstation hat die NASA vier Raumfahrer aus den Vereinigten Staaten, Japan und Russland eingeteilt. Kayla Barron übernimmt das Kommando von SpaceX Crew-14, Chris Birch wird Pilotin. Als Missionsspezialisten fliegen der JAXA-Astronaut Makoto Suwa und der Roskosmos-Kosmonaut Arutyun Kiviryan mit.

Wie die NASA am Donnerstag, 24. September 2026, mitteilte, ist der Start frühestens für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Nach dem Andocken sollen die vier Mitglieder der Crew-14 in die ISS-Expeditionen 75 und 76 integriert werden und über einen längeren Zeitraum Forschung, Wartung und regulären Stationsbetrieb übernehmen.

Es handelt sich um den 14. kommerziellen Besatzungswechsel mit SpaceX im Rahmen des NASA-Programms für den niedrigen Erdorbit. Der Auftrag ist damit Teil einer inzwischen etablierten Transportarchitektur: Die NASA definiert Sicherheits- und Missionsanforderungen, während ein privates Unternehmen Start, Raumschiff und Rückkehrdienstleistung bereitstellt. Dadurch soll die staatliche Raumfahrt zugleich Kapazitäten für anspruchsvollere Erkundungsprogramme gewinnen.

Die Zusammenstellung verdeutlicht den multinationalen Charakter der ISS. Auch wenn die Beteiligten aus unterschiedlichen Ausbildungssystemen kommen, müssen sie an Bord als geschlossenes Team funktionieren. Notfälle wie Druckverlust, Feuer oder medizinische Zwischenfälle lassen keine Trennung nach Agenturen zu. Gemeinsame Simulationen und standardisierte Abläufe sind deshalb ebenso wichtig wie die individuellen technischen Kenntnisse.

Barron bringt als Einzige bereits praktische Raumflugerfahrung mit. Sie startete 2021 mit Crew-3 und verbrachte während der Expeditionen 66 und 67 insgesamt 177 Tage im All. Dabei absolvierte sie zwei Außenbordeinsätze. Bei einem weiteren Einsatz war sie als leitende Bedienerin der Robotiksysteme tätig, die unter anderem zur Positionierung von Astronauten und Ausrüstung außerhalb der Station verwendet werden.

Vor ihrer Auswahl für das Astronautenkorps im Jahr 2017 studierte Barron Systemtechnik an der US Naval Academy und Kerntechnik an der Universität Cambridge. Als Offizierin der US Navy qualifizierte sie sich für den Dienst auf U-Booten und nahm an drei Einsätzen der USS Maine teil. Zuletzt unterstützte sie außerdem die Entwicklung neuer Technologien und Betriebskonzepte für das Artemis-Programm.

Für Birch wird Crew-14 der erste Flug ins All. Ihre wissenschaftliche Ausbildung umfasst Mathematik, Biochemie und molekulare Biophysik sowie eine Promotion in Bioingenieurwesen am Massachusetts Institute of Technology. Später lehrte sie Bioingenieurwesen an der University of California in Riverside und vermittelte am California Institute of Technology wissenschaftliches Schreiben und Kommunikation.

Bemerkenswert ist auch ihre Laufbahn im Leistungssport. Birch fuhr Bahnradrennen für die US-Nationalmannschaft und gehörte zum erweiterten Aufgebot für die Olympischen Spiele in Tokio. Bei der NASA sammelte sie anschließend operative Erfahrung als Verbindungssprecherin zu Raumflugbesatzungen. Sie unterstützte ISS-Teams und Artemis II, koordinierte Arbeiten für Expedition 72 und vertrat die Perspektive der Besatzungen im Orion-Programm.

Auch Suwa steht vor seinem Raumflugdebüt. Bevor ihn die japanische Raumfahrtagentur JAXA 2023 als Astronautenkandidaten auswählte, arbeitete er fast ein Jahrzehnt für die Weltbankgruppe. Zuvor war er als japanischer Entwicklungshelfer in Ruanda tätig und arbeitete für die Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen. Damit bringt er umfangreiche Erfahrung aus internationalen Organisationen mit.

Suwa promovierte an der Princeton University in Geowissenschaften und schloss 2024 seine Grundausbildung als zertifizierter Astronaut ab. Sein Fachgebiet kann bei Erdbeobachtungs- und Umweltprojekten an Bord von Bedeutung sein. Zugleich muss er wie alle Langzeitbesatzungen ein breites Spektrum an Aufgaben beherrschen, darunter die Pflege von Lebenserhaltungssystemen, wissenschaftlichen Geräten und Kommunikationsanlagen.

Kiviryan wird ebenfalls zum ersten Mal zur ISS reisen. Nach dem Besuch der Suworow-Militärschule in Sankt Petersburg studierte er an der Baltischen Staatlichen Technischen Universität und schloss 2015 als Ingenieur mit Schwerpunkt Raketentechnik ab. Zusätzlich wurde er im Umgang mit computergesteuerten Maschinen ausgebildet. 2021 erfolgte seine Aufnahme in das Kosmonautenkorps des Gagarin-Ausbildungszentrums, seit 2023 ist er Testkosmonaut.

Während der Mission soll die Besatzung wissenschaftliche Untersuchungen und Technologieerprobungen ausführen. Mikrogravitation ermöglicht Experimente, bei denen biologische Vorgänge, Flüssigkeiten oder Werkstoffe anders reagieren als auf der Erde. Langzeitaufenthalte liefern außerdem Daten über Muskel- und Knochenabbau, psychische Belastung, Arbeitsorganisation und die Zuverlässigkeit von Systemen, die auf Reisen fern der Erde weitgehend autonom funktionieren müssen.

Nach mehr als 25 Jahren ununterbrochener menschlicher Präsenz bleibt die ISS ein zentrales Bindeglied zwischen heutiger Orbitalforschung und künftiger Exploration. Crew-14 soll den wissenschaftlichen Nutzen der Station sichern, kommerzielle Aktivitäten im niedrigen Erdorbit stärken und Erkenntnisse für Artemis liefern. Auf lange Sicht geht es darum, Verfahren für längere Aufenthalte am Mond und für noch komplexere bemannte Missionen zum Mars zu erproben.