Mike Lippert fliegt die X-59 erstmals selbst
NASA-Testpilot Mike Lippert absolvierte am 21. Oktober seinen ersten Flug am Steuer der X-59. Bei dem einstündigen Einsatz erreichte das Forschungsflugzeug Mach 1,4 sowie 55.000 Fuß Höhe und wurde nach planmäßiger Wartung erneut erprobt.
Für NASA-Testpilot Mike Lippert wurde der 21. Oktober zu einem persönlichen Meilenstein: Er übernahm erstmals im Flug die Kontrolle über das leise Überschall-Forschungsflugzeug X-59. Der Start erfolgte am Armstrong Flight Research Center im kalifornischen Edwards, die Landung rund eine Stunde später.
NASA Blogs berichtete darüber am Donnerstag, 22. Oktober. Nach Angaben der Raumfahrtbehörde beschleunigte Lippert auf maximal Mach 1,4 und stieg bis auf 55.000 Fuß, was ungefähr 16,8 Kilometern entspricht.
Für die X-59 war es nicht der erste Einsatz, denn das Flugzeug hatte zuvor bereits zahlreiche Flüge absolviert. Für Lippert hingegen war es die erste Gelegenheit, ein Flugzeug der experimentellen X-Reihe zu steuern, obwohl er seit fast elf Jahren Hochleistungsflugzeuge flog.
Der Unterschied zwischen allgemeiner Erfahrung und der Einweisung auf ein bestimmtes Forschungsflugzeug ist erheblich. Testpiloten müssen nicht nur Geschwindigkeit und Höhe beherrschen, sondern auch individuelle Cockpitabläufe, besondere Anzeigen, festgelegte Versuchspunkte und die eng getaktete Kommunikation mit der Bodenmannschaft.
Während des Flugs arbeitete Lippert zunächst die vorgesehenen Prüfpunkte in großer Höhe ab. Anschließend folgten Sinkflug und Verzögerung, wodurch kurzzeitig Raum entstand, die Umgebung wahrzunehmen. Er schilderte später, wie er über der Mojave-Wüste nach draußen blickte und realisierte, dass er ein X-Flugzeug mit Überschallgeschwindigkeit flog.
Neben diesem persönlichen Augenblick stand die technische Aufgabe im Vordergrund. Lippert führte unterschiedliche Manöver aus, um die Flugeigenschaften der X-59 zu beurteilen. Parallel dazu überwachte das Team am Boden die Systeme und wertete die während des Einsatzes übertragenen Informationen aus.
Der Flug war zugleich die Rückkehr der Maschine in den Testbetrieb nach planmäßigen Wartungsarbeiten und einer Systemüberprüfung. Vorausgegangen war die bis dahin intensivste Versuchswoche der X-59: Im September hatte sie sechs Flüge innerhalb von drei Tagen absolviert.
Eine solche Verdichtung des Programms liefert in kurzer Zeit zahlreiche Beobachtungen, verlangt aber auch sorgfältige Inspektionen und Datenkontrollen. Die NASA sprach nicht von der Behebung eines bestimmten Defekts, sondern ausdrücklich von vorgesehener Wartung und einer anschließenden Überprüfung der Flugzeugsysteme.
Lippert hatte sich über Monate auf den Einsatz vorbereitet. Bereits im August führte er erstmals einen Triebwerkslauf mit der X-59 durch. Dabei konnte er die tatsächliche Cockpitumgebung kennenlernen und die Zusammenarbeit mit der Missionskontrolle üben, ohne dass das Flugzeug abhob.
Hinzu kamen umfangreiche Simulatorstunden gemeinsam mit den NASA-Testpiloten Nils Larson und Jim „Clue“ Less. Wiederholte Übungen sollen dafür sorgen, dass Handgriffe, Funksprache und Entscheidungsabläufe im realen Flug nicht neu entwickelt werden müssen, sondern auf eingeübten Mustern beruhen.
Die X-59 steht im Zentrum der NASA-Mission Quesst. Das Forschungsinteresse richtet sich nicht allein darauf, schneller als der Schall zu fliegen, sondern auf eine Bauweise, die den am Boden wahrnehmbaren Schall eines Überschallflugs verändern und abschwächen soll.
Damit unterscheidet sich das Projekt von Programmen, bei denen Höchstgeschwindigkeit, Reichweite oder Nutzlast die wichtigste Messgröße bilden. Bei der X-59 sind auch die Form des Flugzeugs und die daraus resultierende akustische Wirkung Teil der wissenschaftlich-technischen Fragestellung.
Der am 21. Oktober erreichte Wert von Mach 1,4 war daher ein Bestandteil des Testprofils, aber noch keine abschließende Aussage über den Erfolg der gesamten Quesst-Mission. Der Flug diente der Erprobung nach der Wartung, der Bewertung des Handlings und der Kontrolle der Systeme unter den vorgesehenen Bedingungen.
Lipperts Premiere erweiterte zugleich den Kreis jener Piloten, die praktische Flugerfahrung mit der X-59 besitzen. Seine fast elf Jahre im Bereich leistungsstarker Flugzeuge bildeten die Grundlage, ersetzten jedoch nicht die monatelange, speziell auf dieses Muster zugeschnittene Vorbereitung.
Lippert bezeichnete den Einsatz als Erfüllung eines lang gehegten Traums. Hinter dem emotionalen Höhepunkt stand eine umfangreiche Gemeinschaftsleistung: Simulatortraining, Triebwerkslauf, Wartung, Missionsplanung und Bodenüberwachung ermöglichten jene Stunde, in der ein weiterer NASA-Pilot die X-59 unter realen Überschallbedingungen erprobte.