Expedition 75 verbindet Bioprinting mit Vorbereitungen für Außeneinsatz
Auf der ISS standen gezüchtete Blutgefäße, berührungslos erhitzte Materialproben und die Kontrolle lebenswichtiger Systeme auf dem Programm. Zugleich bereitete sich die Besatzung auf die Montage eines ausrollbaren Solarmoduls am 29. Oktober vor.
Zum Ende der Arbeitswoche widmete sich die Besatzung der Internationalen Raumstation einem ungewöhnlich breiten Programm. Biomedizinische Experimente liefen neben Hochtemperaturforschung und technischen Kontrollen, während vier Astronauten gemeinsam die Abläufe für einen bevorstehenden Außeneinsatz durchgingen.
Darüber berichtete NASA Blogs am Freitag, 23. Oktober. Für denselben Tag hatte die US-Raumfahrtbehörde außerdem eine Übertragung zum Stand künftiger bemannter Mondmissionen angesetzt; deren Ergebnisse wurden in dem ISS-Beitrag jedoch nicht dargestellt.
Luke Delaney und Anil Menon arbeiteten erneut mit der BioFabrication Facility. Die beiden NASA-Flugingenieure setzten ein Verfahren fort, bei dem Proben von Gefäßzellen zu künstlich gedruckten Blutgefäßen verarbeitet werden. Delaney richtete den Bioprinter ein, Menon übernahm anschließend die Behandlung des erzeugten menschlichen Gewebes.
Nach dem Druck mussten die Proben mit Nährstoffen versorgt und für die weitere Kultivierung vorbereitet werden. Damit umfasst das Experiment mehrere voneinander abhängige Schritte: die technische Herstellung der Struktur, den sorgfältigen Umgang mit lebenden Zellen und die Erhaltung des Gewebes für spätere Untersuchungen.
Forschung in Schwerelosigkeit kann dabei andere Bedingungen schaffen als ein Labor auf der Erde. Dreidimensionale biologische Strukturen werden nicht auf dieselbe Weise durch ihr Eigengewicht beeinflusst. Der NASA-Text enthielt allerdings weder neue Resultate zur Funktionsfähigkeit der Gefäße noch Aussagen über eine konkrete medizinische Anwendung.
Joshua Kutryk von der kanadischen Raumfahrtagentur CSA wechselte unterdessen Probenhardware in einem Spezialofen aus. Darin hält ein elektrisches Feld das Untersuchungsmaterial schwebend, während Laser es erhitzen. Das Verfahren ermöglicht hohe Temperaturen, ohne dass die Probe ständig eine Behälterwand berührt.
Ein solcher kontaktarmer Aufbau kann Störeinflüsse des Gefäßmaterials verringern und präzisere Beobachtungen physikalischer Eigenschaften erlauben. Welche Substanz Kutryk bearbeitete und welche Messwerte erwartet wurden, ging aus der Mitteilung nicht hervor.
Jessica Watkins prüfte zwei Systeme, die für den zuverlässigen Betrieb der Station wichtig sind. Dazu gehörten eine Ersatzvorrichtung zur Kontrolle der Wasserqualität und ein Regler für den Gasstrom. Gerade bei langen Aufenthalten im Orbit ist es notwendig, auch Reservegeräte regelmäßig auf ihre Einsatzfähigkeit zu testen.
Nach dem Mittagessen nahmen Watkins, Delaney, Menon und Kutryk gemeinsam an einer Verfahrensbesprechung mit Fachleuten am Boden teil. Menon und Kutryk sollen am Donnerstag, 29. Oktober, die Quest-Luftschleuse verlassen und eine ausrollbare Solaranlage an der Gitterstruktur der ISS installieren.
Watkins und Delaney übten dafür die Bedienung des kanadischen Roboterarms Canadarm2. Die Unterstützung aus dem Inneren verlangt eine genaue Abstimmung: Bewegungen des Arms müssen mit den Positionen der Außenbordastronauten, dem Verlauf der Arbeiten und den Anweisungen der Flugkontrolle zusammenpassen.
Am 25. Oktober lag der angesetzte Außeneinsatz weiterhin in der Zukunft. NASA nannte in dem Beitrag weder eine voraussichtliche Dauer noch mögliche Gründe für eine Verschiebung. Die Montage war daher als geplanter Schritt zu behandeln, nicht als bereits erreichter Ausbau der Energieversorgung.
Auch die drei Roskosmos-Kosmonauten Pjotr Dubrow, Anna Kikina und Sergej Teterjatnikow absolvierten ein wissenschaftlich-technisches Programm. Sie schlossen eine Plasmakristallstudie zur Wechselwirkung stark geladener Gase mit mikroskopisch kleinen Partikeln ab und warteten Geräte zur Strahlungsmessung.
Darüber hinaus befasste sich das Trio mit Werkzeugen, die im NASA-Bericht als Systeme der „Superintelligenz“ bezeichnet wurden, und führte Blutdruckmessungen durch. Die Aufgaben verbanden Grundlagenforschung mit Umweltüberwachung und medizinischer Kontrolle der Besatzung.
NASA ordnete die Arbeit der ISS in die Vorbereitung auf Mond- und spätere Marsmissionen ein. Die Behörde erklärte, ihre Bemühungen um eine Rückkehr von Besatzungen auf die Mondoberfläche bis 2028 zu beschleunigen. Die angekündigte NASA+-Sendung zum Missionsstatus sollte am 23. Oktober um 14 Uhr US-Ostküstenzeit stattfinden; da die Quelle keine späteren Ergebnisse nannte, lassen sich daraus keine zusätzlichen Entscheidungen oder Terminänderungen ableiten.