Bioprinter und Roboterarme prägen Arbeitstag auf der ISS
Die Besatzung der Expedition 75 verband am 22. Oktober biomedizinische Forschung mit Raumanzugkontrollen und Robotiktraining. Mehrere Aufgaben dienten der Vorbereitung eines für den 29. Oktober vorgesehenen Außeneinsatzes.
An Bord der Internationalen Raumstation standen am 22. Oktober sehr unterschiedliche Arbeiten auf dem Programm. Mitglieder der Expedition 75 druckten Gefäßgewebe, überprüften einen Raumanzug, trainierten an Robotiksystemen und bereiteten Kameras für die Erdbeobachtung vor.
Darüber berichtete NASA Blogs am Donnerstag, 22. Oktober. Der Ablauf machte deutlich, wie eng wissenschaftliche Versuche, technische Vorsorge und der routinemäßige Betrieb eines dauerhaft bewohnten Außenpostens miteinander verbunden sind.
Für das biomedizinische Experiment kam die BioFabrication Facility im europäischen Labormodul Columbus zum Einsatz. Die auch als Bioprinter bezeichnete Anlage verarbeitete Gefäßzellen, um Gewebe von Blutgefäßen in der Schwerelosigkeit herzustellen.
NASA-Flugingenieur Luke Delaney bereitete zunächst die biologischen Proben vor. Er nahm die Zellen aus einem wissenschaftlichen Gefrierschrank, taute sie auf und vermischte sie mit einem biologischen Druckmaterial. Anschließend setzte er die Mischung in das Gerät ein und startete den Druckvorgang.
Nach dem Anlaufen der Anlage übernahm Anil Menon weitere Arbeitsschritte. Der NASA-Flugingenieur konservierte und versorgte die frisch gedruckten Gewebe im Bioprinter, damit sie dort kultiviert werden konnten. Der Versuch erforderte somit nicht nur die präzise Herstellung, sondern auch die anschließende Pflege des lebenden Materials.
Menon hatte zuvor gemeinsam mit Jessica Watkins den kanadischen Astronauten Joshua Kutryk in der Luftschleuse Quest unterstützt. Kutryk legte einen Raumanzug probeweise an, während Passform, Tragekomfort und die Funktion der Systeme kontrolliert wurden.
Eine solche Prüfung an Bord berücksichtigt körperliche Veränderungen während eines längeren Aufenthalts in Mikrogravitation. Dazu gehört eine Verlängerung der Wirbelsäule, weshalb die vor dem Flug ermittelten Maße nicht automatisch für jede spätere Einsatzphase unverändert übernommen werden können.
Menon und Kutryk sollten nach dem von NASA veröffentlichten Zeitplan am 29. Oktober gemeinsam durch Quest zu einem Außeneinsatz aufbrechen. Vorgesehen war die Installation einer ausrollbaren Solaranlage an der backbordseitigen Gitterstruktur der Station. Für den Einsatz waren sechs Stunden und 45 Minuten angesetzt.
Auch Delaneys Robotiktraining war auf diese Montage ausgerichtet. Am Computer übte er die Bedienung von Canadarm2, den er zur Unterstützung der außerhalb arbeitenden Astronauten steuern sollte. Zusammen mit Watkins sollte er außerdem beim An- und Ablegen der Raumanzüge helfen und die beiden Kollegen während des Einsatzes begleiten.
Auf der russischen Seite der Station trainierte Sergey Teteryatnikov mit einem anderen System. Der Roskosmos-Flugingenieur übte die Steuerung des europäischen Roboterarms am Wissenschaftsmodul Nauka. Damit wurden an einem Tag Fähigkeiten für zwei große Manipulatoren aufgefrischt, die jeweils unterschiedliche Bereiche und Aufgaben der ISS unterstützen.
Teteryatnikov widmete sich danach der Fernerkundung. Er installierte und aktivierte Geräte, die während der Schlafphase der Besatzung Landschaftsmerkmale in Asien und Südamerika im sichtbaren sowie im nahen infraroten Wellenlängenbereich aufnehmen sollten. Anna Kikina half ihm bei der Einrichtung der Kameratechnik.
Kikina fotografierte zudem Seen im östlichen Afrika durch ein Fenster des Servicemoduls Swesda. Stationskommandant Pjotr Dubrow begann seine Schicht dort mit Arbeiten an den sanitären und wasserführenden Einrichtungen und beendete sie mit Aufnahmen seiner arbeitenden Kollegen. So trafen an diesem Tag hoch spezialisierte Forschung und Außenbordeinsatz-Training auf die alltägliche Instandhaltung des orbitalen Lebensraums.