Zwischen dem elften und zwölften Flug der X-59 bot sich im Frühjahr 2026 in der kalifornischen Wüste ein ungewöhnliches Bild. Mechaniker Jonathan Reynaga stieg auf das Versuchsflugzeug, ging über dessen Tragfläche zum oben liegenden Lufteinlass und schob sich kopfüber so weit hinein, bis er von außen nicht mehr zu sehen war.

Darüber berichtete NASA Blogs am Freitag, 16. Oktober. Die Wartungsarbeit fand am Armstrong Flight Research Center der US-Raumfahrtbehörde in Edwards statt, wo die Flugerprobung der X-59 im Rahmen der Quesst-Mission unterstützt wurde.

Das sogenannte „Duct Diving“ ist kein spektakulärer Selbstzweck, sondern eine etablierte Form der Sichtkontrolle. Gesucht wird nach Beschädigungen, losen Gegenständen und Fremdkörpern, die in den Luftstrom geraten und die Leistung oder Unversehrtheit des Triebwerks beeinträchtigen könnten.

Bei der X-59 fällt der Einlass in Richtung des einzelnen Triebwerks ab. Reynaga, der als Flugmechaniker für den Auftragnehmer Lockheed Martin Skunk Works tätig war, musste deshalb mit dem Kopf tiefer als mit den Füßen arbeiten. Der verfügbare Raum war kaum breiter als seine Schultern.

Mit einer Taschenlampe untersuchte er die sichtbaren Schaufeln des Fans und weitere Bauteile. Zugleich musste er besondere Messsensoren umgehen, mit denen das Forschungsteam Daten zur Triebwerksleistung sammelte. Die Kontrolle verlangte somit nicht nur Beweglichkeit, sondern auch genaue Kenntnis der Versuchsausrüstung.

Nach wenigen Minuten bewegte sich Reynaga rückwärts aus dem Kanal. Ein zweites Besatzungsmitglied beobachtete ihn während der gesamten Inspektion. Diese Absicherung ist wichtig, weil die Körperhaltung ungünstig ist und ein Techniker den engen Bereich nicht ohne Weiteres schnell verlassen kann.

Hinzu kamen die Bedingungen in der Mojave-Wüste. Die X-59 stand für die Wartung zwar im Schatten, doch in Edwards steigen die Temperaturen regelmäßig über 100 Grad Fahrenheit beziehungsweise rund 38 Grad Celsius. Nach einem Flug gab zudem das Flugzeug selbst noch Wärme ab.

Die kurze Untersuchung ersetzte keine umfassende Wartung nach festgelegten Intervallen. Sie diente als rasche Zustandskontrolle nach einem Einsatz. Zusammen mit einer Sichtprüfung des Abgasbereichs sollten die Techniker auf diese Weise früh erkennen, ob es offensichtliche Hinweise auf ein Triebwerksproblem gab.

Auch bei anderen Forschungsflugzeugen des Armstrong-Zentrums steigen Menschen in die Einlasskanäle. Dazu gehörten die F-15 und die F/A-18, die die X-59 bei Erprobungsflügen begleiteten. In den tiefen rechteckigen Einlässen der F-15 lässt sich vergleichsweise gut kriechen; die runden, engen und gekrümmten Kanäle der F/A-18 sind deutlich unbequemer.

Juan Salazar, Crewchef des Low Boom Flight Demonstrator, ordnete die X-59 zwischen diesen Beispielen ein. Ihr Einlass habe ungefähr den Durchmesser jenes der F/A-18, sei jedoch weniger tief. Das erleichtert den Zugang, beseitigt aber weder die räumliche Enge noch die Notwendigkeit vorsichtiger Handarbeit.

Für die Zukunft hielt Salazar eine technische Alternative zur persönlichen Inspektion für denkbar. Zum beschriebenen Zeitpunkt galt ein ausgebildeter Mensch dennoch als beste Möglichkeit, die Aufgabe auszuführen. Die Szene verdeutlicht damit eine Grenze der Automatisierung: Messgeräte liefern umfangreiche Daten, während ein Mechaniker unmittelbar nach ungewöhnlichen Spuren oder Gegenständen suchen kann.

Die Lage des Einlasses und des Triebwerks ist vor allem durch das Flugziel der X-59 bestimmt. Die Montage auf der Oberseite soll helfen, die beim Überschallflug entstehenden Stoßwellen voneinander getrennt zu halten. Bei herkömmlichen Überschallflugzeugen vereinigen sich solche Wellen auf dem Weg zum Boden und werden dort als lauter Überschallknall wahrgenommen.

Die X-59 wurde dagegen entwickelt, um am Boden lediglich einen leiseren akustischen Schlag zu erzeugen. Zugleich ist ein oben angebrachtes Triebwerk weniger dem Schmutz ausgesetzt, den tiefer angeordnete Systeme bei Start und Landung ansaugen können. Als NASA den Beitrag veröffentlichte, hatte das Flugzeug 38 Flüge absolviert; bei den bis dahin vorgenommenen Kanalinspektionen waren keine Triebwerksschäden entdeckt worden. Die wiederholte Kontrolle blieb dennoch ein wesentlicher Teil des vorsichtigen Betriebs eines experimentellen Flugzeugs.