Auf der Internationalen Raumstation konzentriert sich die Expedition 75 auf zwei bevorstehende Außenbordeinsätze, ohne den wissenschaftlichen Betrieb zu unterbrechen. Darüber berichtete NASA Blogs am Mittwoch, 21. Oktober.

Anil Menon von der NASA und Joshua Kutryk von der kanadischen Raumfahrtagentur CSA sollen am 29. Oktober und am 5. November die Luftschleuse Quest verlassen. Bei den beiden Einsätzen wollen sie jeweils ausrollbare Solarmodule an der Gitterstruktur der Station installieren.

Damit nähert sich ein über Jahre laufendes Ausbauprogramm seinem vorgesehenen Abschluss. Die zusätzlichen Anlagen können die Fähigkeit der ISS zur Stromerzeugung nach Angaben der NASA um bis zu 30 Prozent steigern. Energie wird an Bord sowohl für grundlegende Stationssysteme als auch für die zahlreichen wissenschaftlichen Geräte benötigt.

Menon und Kutryk sortierten am 21. Oktober zunächst ihre Werkzeuge in Quest. Außerdem untersuchten sie Sicherungsleinen und reinigten die Helme der Raumanzüge, die sie bei den Arbeiten außerhalb der schützenden Stationshülle tragen sollen.

Anschließend statteten sie zwei Anzüge mit Kommunikationstechnik, medizinischen Überwachungssystemen und weiteren Bauteilen aus. Für den 22. Oktober war eine Passformkontrolle vorgesehen, bei der neben dem Sitz der Anzüge auch die Funktionsfähigkeit ihrer Systeme überprüft werden sollte.

Eine solche Kontrolle berücksichtigt körperliche Veränderungen während eines Aufenthalts in Schwerelosigkeit. Deshalb reicht es nicht aus, einen Raumanzug ausschließlich anhand der vor dem Start ermittelten Maße einzustellen. Komfort und Bewegungsfreiheit müssen unter den tatsächlichen Bedingungen im Orbit erneut bestätigt werden.

Die NASA-Astronauten Jessica Watkins und Luke Delaney bereiteten sich unterdessen auf ihre unterstützende Rolle vor. Sie gingen die Abläufe durch, mit denen sie Menon und Kutryk beim An- und Ablegen der Anzüge helfen werden. Gemeinsam studierte das Quartett auch die geplanten Wege an der Außenstruktur sowie die Bergung und Montage der Solarmodule.

NASA+ will die Übertragung des ersten Einsatzes am 29. Oktober um 6.30 Uhr EDT aufnehmen; der Ausstieg ist für 8 Uhr angesetzt. Am 5. November soll die Berichterstattung um 6.45 Uhr EST beginnen, bevor der zweite Einsatz planmäßig um 8.10 Uhr startet.

Neben den Vorbereitungen bearbeitete Menon Proben aus Grünalgen und kultivierten Tabakzellen. Sie gehören zur Untersuchung Plant Cell Division, die im japanischen Labormodul Kibo stattfindet und grundlegende Prozesse in pflanzlichen Zellen unter Weltraumbedingungen betrachtet.

Das Experiment ist auf eine praktische Zukunftsfrage ausgerichtet: Wie könnten Nutzpflanzen auf dem Mond oder dem Mars angebaut werden, um Besatzungen mit Nahrung zu versorgen? Bevor ein solches Versorgungskonzept umgesetzt werden kann, muss genauer verstanden werden, wie Pflanzenmaterial außerhalb der vertrauten Bedingungen auf der Erde reagiert.

Pjotr Dubrow und Anna Kikina von Roskosmos trugen abwechselnd einen akustischen Sensor am Hals. Während schneller Ausatmung zeichnete das Gerät hochwertige Atemwegsgeräusche auf. Die Daten sollen zur Erde übertragen und dort auf mögliche Auswirkungen der Mikrogravitation auf die Atmung untersucht werden.

Weitere Aufgaben dienten dem laufenden Betrieb der Station. Dubrow tauschte Elektronik an einem Trainingsfahrrad aus, Kikina ordnete Fracht und Kopplungsausrüstung im Frachter Progress 96 neu. Sergej Teterjatnikow wartete Lebenserhaltungs- und Kommunikationsgeräte, nahm Luftproben und schloss seine Schicht mit einem computergestützten Hörtest ab. Die Tagesplanung verband damit drei zentrale Anforderungen des Stationsbetriebs: technische Zuverlässigkeit, Gesundheitsschutz und Forschung für spätere Missionen.