Eine ausgedehnte Algenblüte an der Ostküste Virginias beschäftigt weiterhin Wissenschaft und Behörden. Das Ereignis trat im September in Teilen der Chesapeake Bay auf und fiel zeitlich mit Meldungen über tote Fische und Austernverluste zusammen. Von der NASA geförderte Forschende helfen nun dabei, mögliche Belastungsgebiete räumlich einzugrenzen.

Darüber berichtete NASA Blogs am Donnerstag, 29. Oktober. Die Auswertung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen; weder eine endgültige Zahl verendeter Austern noch eine bezifferte Schadenssumme oder ein abschließender Kausalbefund wurden genannt.

Fachleute des Virginia Institute of Marine Science und der Batten School am College William & Mary erfassten eine nahezu durchgehende Blüte von ungefähr 15 Meilen Länge. Sie erstreckte sich von Cape Charles bis südlich des Nassawadox Creek und damit entlang eines Küstenabschnitts, in dem Austernzucht und Wiederherstellungsmaßnahmen eine Rolle spielen.

In der Blüte wurde Alexandrium monilatum festgestellt. Diese Algenart ist dafür bekannt, Wasserorganismen schädigen zu können. Ihre Anwesenheit sowie die Berichte über Verluste begründen einen konkreten Verdacht, doch die veröffentlichten Angaben reichen nicht aus, um sämtliche beobachteten Schäden ausschließlich auf die Alge zurückzuführen.

Auf Ersuchen der Virginia Marine Resources Commission wertete das Forschungsteam Bilder der Copernicus-Sentinel-2-Mission der Europäischen Weltraumorganisation aus. Auf den Aufnahmen ließen sich Gebiete mit erhöhten Konzentrationen mikroskopisch kleiner Algen kartieren. Dadurch entstand ein räumliches Bild, das über einzelne Wasserproben hinausgeht.

Die Behörde nutzt diese Karten und die fachliche Beratung, um möglicherweise betroffene Zuchtflächen und restaurierte Austerngebiete zu identifizieren. Besonders relevant sind Überschneidungen zwischen der rekonstruierten Ausbreitung der Blüte und bekannten Produktionsstandorten. Solche Überschneidungen zeigen einen Prüfbedarf, sind aber noch kein vollständiger Schadensnachweis.

Fernerkundung kann große Wasserflächen vergleichsweise einheitlich erfassen, hat in Küstengewässern jedoch Grenzen. Satelliten messen optische Signale an beziehungsweise nahe der Oberfläche, während lokale Verhältnisse zusätzlich durch Wassertiefe, Trübung und Strömung geprägt werden können. Deshalb wird das Bildmaterial mit weiteren Informationsquellen verbunden.

Dazu gehört das Chesapeake Bay Environmental Forecast System. Das computergestützte Instrument dient zur Vorhersage von Umweltbedingungen und kann frühere Zustände rekonstruieren. Für die Untersuchung wurden Wassertemperatur, Salzgehalt und Wind vor sowie während der Algenblüte betrachtet.

Nach der Modellanalyse lagen die Wassertemperaturen über weite Teile des frühen Septembers oberhalb der Wertebandbreite, die für denselben Zeitraum der Jahre 2018 bis 2025 ermittelt worden war. Beim Beginn der Blüte wurden etwa 80 Grad Fahrenheit gemessen, also rund 27 Grad Celsius. Diese Wärme könnte die Austern zusätzlich belastet haben.

Auch die wechselnden Windverhältnisse könnten den Verlauf beeinflusst haben. Schwacher Wind ließ die Algen möglicherweise zunächst länger in einem Gebiet verweilen. Später könnten stärkere Winde das belastete Wasser in Richtung Küste gedrückt haben, wo es sich mit Austernzuchtflächen überschnitt.

Die aktuelle Analyse baut auf einem Vorhaben des NASA-Programms Earth Action Water Resources auf. Dieses soll Prognosen zur Wasserqualität verbessern, indem Satellitenbeobachtungen, Modellrechnungen und Rückmeldungen von Muschelzüchtern zusammengeführt werden. Damit erhält auch lokales Erfahrungswissen einen Platz in einem technisch geprägten Warn- und Bewertungssystem.

Langfristig sollen Betriebe und Küstenverwaltungen dadurch besser auf ähnliche Ereignisse vorbereitet werden. Die Untersuchung der September-Blüte zeigt zugleich, warum mehrere Datenarten nötig sind: Temperaturstress, Wind, Verweildauer und Algenvorkommen können zusammenwirken. Bis zum 29. Oktober blieb jedoch offen, wie groß der tatsächliche Verlust ausfiel und welchen Anteil jeder Faktor daran hatte.