ISS-Team erhält Freigabe für Montage eines neuen Solararrays
Anil Menon und Joshua Kutryk sollen an der Backbordseite der ISS ein ausrollbares Solararray installieren. Für den fast siebenstündigen Außeneinsatz sind der Roboterarm Canadarm2 und umfangreiche Unterstützung aus dem Inneren der Station vorgesehen.
Die Missionsleitung hat den für den 29. Oktober geplanten Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation freigegeben. Die Expedition-75-Bordingenieure Anil Menon von der NASA und Joshua Kutryk von der kanadischen Raumfahrtagentur CSA sollen dabei ein neues ausrollbares Solararray an der Backbord-Fachwerkstruktur der Station montieren.
NASA Blogs berichtete darüber am Mittwoch, 28. Oktober. Als offizieller Beginn gilt der Zeitpunkt, an dem beide Raumanzüge um 8 Uhr ostamerikanischer Sommerzeit auf Batteriebetrieb geschaltet werden. Die Übertragung auf NASA+ soll bereits um 6.30 Uhr beginnen und damit auch die unmittelbaren Vorbereitungen vor dem Ausstieg erfassen.
Für die Arbeiten außerhalb der Station sind ungefähr sechs Stunden und 45 Minuten eingeplant. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Befestigung des Arrays, sondern auch sein Transport von einer vorübergehenden Lagerplattform zum vorgesehenen Einbauort. Menon und Kutryk müssen zunächst die Bolzen lösen, mit denen die Anlage während der Lagerung gesichert ist.
Anschließend soll Menon das Solararray zur Backbordseite bringen, während er auf dem Roboterarm Canadarm2 positioniert ist. Dadurch hängt der Transport unmittelbar vom abgestimmten Betrieb des Arms ab. Kutryk bewegt sich unterdessen eigenständig entlang der Außenstruktur und bleibt dabei mit Sicherheitsleinen an der Raumstation befestigt.
Am Arbeitsort sollen die beiden Raumfahrer gemeinsam die Installation abschließen. Erst wenn die mechanischen Arbeiten beendet sind, wollen Flugkontrolleure am Boden das Array aus der Ferne aktivieren. Nach dem veröffentlichten Ablauf soll es danach mit der Stromerzeugung beginnen. Ob dieser Plan tatsächlich vollständig umgesetzt werden kann, stand zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht fest.
Menon und Kutryk nutzten ihre Schicht am Mittwoch für die abschließende Durchsicht des Verfahrens. Danach kontrollierten sie die Lebenserhaltungssysteme ihrer Raumanzüge, die Kommunikationstechnik und weitere Bestandteile der Ausrüstung. Diese Prüfungen dienten dazu, die Einsatzbereitschaft für mehrere Stunden autonomer Arbeit außerhalb der schützenden Stationsmodule sicherzustellen.
Nach der Mittagspause kamen Jessica Watkins und Luke Delaney, ebenfalls NASA-Bordingenieure, zu einer letzten Besprechung mit Fachleuten am Boden hinzu. Damit wurde die Vorbereitung auf vier Besatzungsmitglieder ausgeweitet. Watkins und Delaney sollen den Einsatz aus dem Inneren verfolgen und bei der Bedienung des Canadarm2 mitwirken.
Die beiden machten sich zudem mit den erwarteten Lichtverhältnissen und den Standorten der Außenkameras vertraut. Die Bilder dienen der Beobachtung von Menon und Kutryk sowie der Kontrolle der Roboterarmbewegungen. Besonders beim gemeinsamen Transport von Astronaut und Solararray ist eine klare Abstimmung zwischen visueller Überwachung, Funkverkehr und Armsteuerung erforderlich.
Zum Ende ihrer Schicht berieten sich alle vier Astronauten mit Robotikingenieuren. Gegenstand waren die für den Außeneinsatz vorgesehenen Canadarm2-Manöver. Die Abfolge mehrerer Konferenzen verdeutlicht, dass die Aufgabe als eng verzahnte Kombination aus Außenbordarbeit, Robotikbetrieb und Unterstützung durch die Bodenstation geplant wurde.
Die drei Roskosmos-Kosmonauten absolvierten am Mittwoch ein leichteres Programm, führten aber ihre wissenschaftlichen Tätigkeiten fort und informierten sich über den bevorstehenden Außeneinsatz. Stationskommandant Pjotr Dubrow baute eine Multispektral-Kameraausrüstung ab, die während der Schlafphase der Besatzung automatisch Motive im Pazifik und Atlantik aufgenommen hatte.
Bordingenieur Sergej Teterjatnikow installierte ein anderes System zur Erdbeobachtung. Es war für eine weitere nächtliche Aufnahmeserie vorgesehen, deren Ziele pazifische Inseln und südamerikanische Gletscher umfassten. Anna Kikina trainierte währenddessen auf dem Laufband im Servicemodul Swesda, um ihre körperliche Leistungsfähigkeit in der Mikrogravitation zu überprüfen.
Der geplante Einsatz verbindet somit Energieversorgung, Außenarbeiten und Robotik in einem einzigen Ablauf. Neben den beiden Raumfahrern sind interne Bediener, Kameraspezialisten, Robotikingenieure und Flugkontrolleure beteiligt. Die NASA hatte bis zum 28. Oktober lediglich die Freigabe und den vorgesehenen Ablauf bekannt gegeben; über eine erfolgreiche Montage oder die tatsächliche Stromproduktion des neuen Arrays lag zu diesem Zeitpunkt noch keine Mitteilung vor.