Auf der Internationalen Raumstation stand zum Wochenbeginn die Vorbereitung eines anspruchsvollen Außeneinsatzes im Mittelpunkt. Zwei Mitglieder der Expedition 75 sollen an der Backbordseite der Gitterstruktur ein ausrollbares Solarmodul installieren und damit die Stromerzeugung des Außenpostens aufrüsten.

NASA Blogs berichtete darüber am Montag, 26. Oktober. Während die Proben und technischen Kontrollen an diesem Montag stattfanden, war der eigentliche Weltraumausstieg für Donnerstag, den 29. Oktober, vorgesehen.

NASA-Astronaut Anil Menon und Joshua Kutryk von der kanadischen Raumfahrtagentur CSA sollen die Quest-Luftschleuse um 8 Uhr EDT verlassen. Für die Arbeit außerhalb der Station sind sechs Stunden und 45 Minuten eingeplant; die Übertragung über NASA+ soll bereits um 6.30 Uhr beginnen.

Der Einsatz beruht auf einer klaren Aufgabenteilung zwischen Innen- und Außenbesatzung. Jessica Watkins und Luke Delaney sollen Menon und Kutryk beim Ein- und Ausstieg aus ihren Raumanzügen unterstützen und zugleich an der Bedienung des kanadischen Roboterarms Canadarm2 mitwirken.

Am Montag gingen die vier Astronauten gemeinsam die benötigten Bewegungsabläufe durch. Das Solarmodul muss zunächst von einer außen angebrachten Transportpalette gelöst, sicher aufgenommen und anschließend über die Stationsstruktur bis zum vorgesehenen Montageort bewegt werden.

Menon soll sich dafür am Roboterarm befestigen und das zusammengefaltete Modul übernehmen. Mit ihm und der Fracht soll Canadarm2 zum Arbeitsbereich fahren, während Kutryk durchgehend an der Gitterstruktur gesichert bleibt und sich aus eigener Kraft zur Backbordseite bewegt.

Am Zielort sollen beide Astronauten die Installation gemeinsam abschließen. Danach ist vorgesehen, dass die Flugkontrolle das neue Modul aktiviert; es handelt sich um eines von zwei ausrollbaren Solarelementen für diese Seite der Raumstation.

Vor einem Außeneinsatz müssen auch Systeme überprüft werden, die nur in einer Notsituation benötigt würden. Menon und Kutryk kontrollierten daher Treibstoffvorrat, Batterieleistung und Düsenfunktion ihrer Rettungsantriebe, während Watkins Kutryk bei der sicheren Konfiguration der Kühl- und Wasserkreisläufe seines Anzugs half.

Neben der Einsatzvorbereitung lief die Versorgung der Station weiter. Watkins und Menon verlagerten Material zwischen der ISS und einem SpaceX-Dragon-Frachter, der am 15. Oktober automatisch am weltraumzugewandten Andockpunkt des Harmony-Moduls festgemacht hatte.

Für Mitte November ist die Rückkehr der Dragon-Kapsel zur Erde geplant. An Bord sollen sich wissenschaftliche Proben und technische Ausrüstung befinden, die nach der Landung untersucht werden können; die gegenwärtigen Transfers dienen somit sowohl der Versorgung als auch der Vorbereitung des Rücktransports.

Delaney widmete sich zunächst der RelaxPro-Studie und hielt seine Schlafmuster auf einem Tablet fest. Das Experiment untersucht Möglichkeiten zur besseren Stressminderung bei langen Raumflügen. Anschließend versorgte er biogedrucktes Blutgefäßgewebe mit Nährstoffen und behandelte die Proben.

Mit diesen Geweben wird erforscht, wie die Mikrogravitation zur Herstellung individuell angepasster Strukturen für Patienten genutzt werden kann. Kommandant Pjotr Dubrow und Anna Kikina maßen unterdessen mit Manschetten an Armen, Handgelenken und Fingern die Reaktion des Kreislaufs auf Schwerelosigkeit, während Sergej Teterjanikow seine Untersuchung zum möglichen Einsatz von Superintelligenz-Werkzeugen im Stationsbetrieb und in der Kommunikation mit der Flugleitung fortsetzte.