Kiew wirbt für neuen Agrartransit durch EU-Nachbarländer
Die Ukraine will Getreide wieder verstärkt über Polen, Ungarn, Rumänien und die Slowakei ausführen. Budapest signalisierte Zustimmung, knüpfte diese jedoch an strikte Transitbedingungen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bat Ungarns Ministerpräsidenten Peter Magyar bei einem Gespräch am 16. Oktober um Unterstützung für neue Transitrouten. Landwirtschaftliche Waren sollen über Ungarn, Polen, Rumänien und die Slowakei zu Abnehmern in Westeuropa gelangen.
Darüber berichtete inPoland.net.pl am Samstag, 17. Oktober. Magyar erklärte, Ungarn könne dem Vorhaben zustimmen, sofern die ukrainischen Lieferungen ausschließlich durch das Land befördert und nicht auf dem heimischen Markt verkauft würden. Als Möglichkeit nannte er versiegelte Güterzüge.
Wegen der eingeschränkten Ausfuhrkapazitäten der Schwarzmeerhäfen ist die Ukraine stärker auf Bahn-, Straßen- und Flussverbindungen angewiesen. Vor dem russischen Großangriff wurden rund 90 Prozent der ukrainischen Agrarausfuhren über das Schwarze Meer abgewickelt. Die alternativen Strecken bewältigen den Angaben zufolge weniger als die Hälfte der vorgesehenen Exportmenge.
Zusätzliche Lieferungen könnten auf einen europäischen Markt mit schwacher Maisernte treffen. Die EU-Kommission rechnete infolge von Hitze und Dürre mit lediglich 50,1 Millionen Tonnen und damit dem niedrigsten Wert seit zwei Jahrzehnten. Polen und Rumänien hatten eine Ausweitung des Transits zuvor unter anderem wegen überlasteter Infrastruktur und der Interessen ihrer Landwirte abgelehnt.