Der russische Staatskonzern Rosatom soll bei der Verwaltung des besetzten Kernkraftwerks Saporischschja eine zentrale Rolle übernommen haben. Bellona zufolge ist das Unternehmen nicht mehr nur ein Anbieter ziviler Nukleartechnik, sondern verbindet wirtschaftliche, strategische und außenpolitische Aufgaben des russischen Staates.

Radio Free Europe/Radio Liberty berichtete darüber am Sonntag, 18. Oktober. Die Organisation Truth Hounds erklärte, Beschäftigte des Kraftwerks seien verhört, bedroht und an der Ausreise aus Enerhodar gehindert worden, um sie zum Abschluss von Verträgen mit Rosatom zu bewegen.

Die Ermittler erfassten 292 mutmaßliche Fälle rechtswidriger Inhaftierung und Folter in der Stadt, darunter 87 Kraftwerksmitarbeiter. Nach Angaben des ukrainischen Betreibers Energoatom befinden sich 14 Beschäftigte weiterhin in Gefangenschaft. Mehr als 4.000 Mitarbeiter verließen nach der Besetzung das Gebiet in Richtung der von Kyjiw kontrollierten Landesteile.

Großbritannien und die USA verhängten Sanktionen gegen Rosatom-Chef Alexej Lichatschow sowie einzelne Konzernstrukturen. EU-weite Maßnahmen gegen das Unternehmen blieben bislang aus, da mehrere Mitgliedstaaten weiterhin russischen Kernbrennstoff, angereichertes Uran oder besondere Ersatzteile für Reaktoren sowjetischer Bauart benötigen.