Japans Außenministerium hat den russischen Botschafter Nikolai Nosdrew einbestellt und gegen die Festnahme des Journalisten Yuki Imai protestiert. Die Regierung in Tokio kritisierte, dass Moskau die Vorwürfe öffentlich gemacht habe, ohne nähere Erklärungen abzugeben oder einen konsularischen Besuch zu ermöglichen.

Darüber berichtete Radio Liberty am Freitag, 16. Oktober. Auf Aufnahmen russischer Staatsmedien war zu sehen, wie Sicherheitskräfte den 34-Jährigen in Juschno-Sachalinsk überwältigten. Anschließend wurde er nach Moskau gebracht; ein Gericht in Lefortowo ordnete Untersuchungshaft für mindestens zwei Monate an.

Der Inlandsgeheimdienst FSB wirft dem Korrespondenten der Zeitung Hokkaido Shimbun vor, Informationen über mobilisierte Bewohner und Kriegsfreiwillige von den Kurilen gesammelt zu haben. Bei einer Verurteilung wegen Spionage drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Imais letzter Bericht vom 5. Oktober befasste sich mit nordkoreanischen Staatsbürgern auf Sachalin.

Von Current Time befragte Fachleute sehen in dem Fall ein mögliches Druckmittel gegenüber Japan. Als denkbare Austauschpersonen nannten sie russische Hacker, darunter den mutmaßlichen Qilin-Akteur Wladimir K., der in Osaka festgenommen und am 2. Oktober nach Deutschland ausgeliefert worden war. Auch Forderungen nach einer Lockerung japanischer Sanktionen wurden als mögliches Motiv genannt; dabei handelt es sich bislang um Einschätzungen der Experten.