Nach Rückführung aus Litauen: 68-Jähriger in Russland verurteilt
Igor Odinzow schwamm über die Memel, um in Litauen Schutz zu suchen. Nach seiner Rückgabe an Russland erhielt der Kriegsgegner sechs Jahre Strafkolonie unter verschärften Bedingungen.
Ein russisches Militärgericht verurteilte den 68-jährigen Vermessungsingenieur Igor Odinzow am 30. September zu sechs Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Grundlage war der Vorwurf der öffentlichen Rechtfertigung von Terrorismus wegen Beiträgen in einem Messengerdienst.
Über den Fall berichtete Radio Svoboda am Freitag, 16. Oktober. Odinzow hatte sich gegen den russischen Angriff auf die Ukraine ausgesprochen und durfte während des laufenden Strafverfahrens seinen Wohnort nicht verlassen.
Am 17. September schwamm er von der russischen Grenzstadt Sowetsk durch die Memel nach Litauen. Dort nahmen Grenzbeamte ihn fest und befragten ihn rund fünf Stunden. Anschließend erhielt er trockene Kleidung sowie Schuhe und wurde über die Grenze zurückgebracht; am 21. September nahmen russische Behörden ihn fest.
Litauens Innenminister bestätigte zunächst, Odinzow habe politisches Asyl beantragt. Später erklärte er, der Mann habe sein Anliegen nicht eindeutig formuliert und kein Formular ausfüllen wollen. Juristen und Menschenrechtsorganisationen kritisierten diese Darstellung, da bereits eine mündlich geäußerte Furcht vor Verfolgung ausreichen könne, um ein Schutzverfahren einzuleiten.