Die Ukraine kann nach Einschätzung des ehemaligen Energieministers Iwan Platschkow die Heizperiode 2026/27 mit den vorhandenen Strom-, Wärme- und Gasreserven beginnen. Die Belastbarkeit des Systems sei allerdings deutlich geringer als zu Beginn des russischen Angriffskrieges, da Kraftwerke, Umspannwerke und Leitungen wiederholt getroffen wurden.

Darüber berichtete Radio Svoboda am Dienstag, 13. Oktober. Platschkow zufolge wurde mindestens die Hälfte der Energieinfrastruktur zerstört. Reparaturteams hätten dennoch Anlagen wiederhergestellt, neue Technik installiert und Schutzeinrichtungen gegen Drohnenangriffe errichtet.

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko rief Einwohner mit alternativen Wohnmöglichkeiten dazu auf, einen vorübergehenden Umzug in Betracht zu ziehen. Gemeint seien vor allem Unterkünfte mit unabhängiger Wärme- und Wasserversorgung. Einen allgemeinen Evakuierungsaufruf lehnte er ab, warnte aber vor einer schweren Krise, sollte das städtische Wassernetz länger ausfallen.

Ein von dem Rechercheprojekt Schemes eingesehenes Dokument soll zudem mögliche russische Angriffspläne gegen rund 60 zentrale Energie- und Kommunalobjekte beschreiben. Genannt werden unter anderem Importknoten an der Westgrenze, Wasserkraftwerke und Netzanlagen, über die Atomstrom eingespeist wird. Russische Behörden äußerten sich nicht zu dem mutmaßlichen Plan.